Sarah Schumann

1933 - 2019

Sarah Schumann, Kammenyj most, 1993, Pigmentmalerei auf Leinwand, 220 x 160cm

Die Malerin und Zeichnerin Sarah Schumann gilt als eine wichtige Vertreterin der Nachkriegsmoderne und setzt sich in ihren figurativen Arbeiten und Frauenbildnissen mit den signifikanten Begriffen „Schrecken und Schönheit“ auseinander. 

In den Anfängen ist Schumanns Werk durch den Surrealismus inspiriert, später entwickelt sie eine einprägsame Bildsprache, die ihre geheimnisvollen Landschaftsmalereien und Porträts kennzeichnet. Bereits die frühen „Schock-Collagen“ der 1950er Jahren reflektieren ihre Kindheit im Zweiten Weltkrieg und Jugenderlebnisse in der Nachkriegszeit. Ihre poetischen Bilder fangen den Blick auf die menschliche Existenz und ihre Umgebung ein. Auch ihre internationale Reisetätigkeit in Europa, Russland, Afrika und Indien spiegelt sich in der Motivwahl ihrer Werke.

Sarah Schumann wird 1933 in Berlin geboren. Zwischen 1960 bis 1963 lebt und arbeitet sie in London, wo sie die Kunstszene intensiv kennenlernt. Später zieht sie ins italienische Piemont. Ihr Lebensmittelpunkt wird seit 1968 wieder die Stadt Berlin. Sie erlebt dort die gesellschaftspolitischen Umbrüche und schließt sich 1972 der feministischen Gruppe „Brot + Rosen“ an. In dieser Zeit schafft sie heroische Bildnisse von Frauen ihrer unmittelbaren Umgebung. Schumann wird von 1974 bis 1977 Mitorganisatorin und Kuratorin der bedeutenden Ausstellung „Künstlerinnen international 1877-1977“. Bei dieser legendären und von Protesten begleiteten Ausstellung werden erstmalig in Deutschland bedeutende Künstlerinnen des 20.  Jahrhunderts präsentiert, darunter Paula Modersohn-Becker, Frida Kahlo, Eva Hesse, Maria Lassnig, Mary Bauermeister, Ulrike Rosenbach und Diane Arbus. Im begleitenden Katalog schreibt sie einen Text zu Meret Oppenheim, basierend auf einem Interview in Paris. 1977 wird sie mit einem Stipendium für die Villa Massimo in Rom ausgezeichnet. Leben und Werk von Sarah Schumann wurde von Harun Farocki und Michaela Melián künstlerisch gewürdigt und darüber hinaus von ihrer Lebensgefährtin Silvia Bovenschen (1946– 2017) in dem Buch „Sarahs Gesetz“ literarisch verewigt. Das Städel Museum in Frankfurt zählt Sarah Schumann im Oral History Projekt „Café Deutschland“ zu den 70 wichtigsten Protagonisten der Kunstszene in der BRD ab 1960. Arbeiten der Künstlerin sind in der Berlinischen Galerie, dem Museum Morsbroich Leverkusen sowie im Museum of Modern Art in New York. Im Jahr 2019 ist Sarah Schumann in Berlin verstorben.
VAN HAM Art Estate betreut seit 2018 das Œuvre von Sarah Schumann, das Gemälde, Collagen, Zeichnungen und Grafik beinhaltet. Der schriftliche Nachlass befindet sich seit 2019 im Deutschen Kunstarchiv im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg (GNM).

Aktuelles