Sarah Schumann, Ohne Titel, 1984, Gouache und Fotografie auf Bütten, 55 x 76cm (Ausschnitt)

Sarah Schumann, Das schwimmende Buch, 1987, Collage, 140 x 190cm (Ausschnittt)

Sarah Schumann, das Lenin-Mausoleum, 1994, Pigmentmalerei auf Leinwand, 220 x 160cm (Ausschnitt)

Sarah Schumann, Ohne Titel, 1959, Fotocollage, 37,6 x 36cm (Ausschnitt)

Sarah Schumann

Am 3. Juli verstarb Sarah Schumann, Malerin, Kuratorin und Essayistin der deutschen Nachkriegsmoderne im Alter von 85 Jahren in Berlin. Mit großer Bewunderung verabschiedet sich VAN HAM Art Estate von der beeindruckenden Künstlerin.

Sarah Schumann wurde am 12. August 1933 in Berlin als Tochter des Bildhauerpaares Kilian und Dora Schirmer geboren. Sie verbrachte einen Teil ihrer Kindheit in Hamburg, begleitet von den Entbehrungen des zweiten Weltkrieges.
Mit 15 Jahren löste sie sich von ihrer Familie und heiratete den Galeristen Hans Brockstedt, von dem sie sich 1960 trennte und nach London zog. Dort nahm sie als Maria Brockstedt ihren Künstlernamen Sarah Schumann an. Nach drei Jahren in London, wo sie David Sylvester und Roland Penrose kennenlernte und eine Ausstellung im ICA (Institute of Contemporary Arts) erhielt, verlagerte Schumann ihren Lebensmittelpunkt ins italienische Piemont und kehrte erst 1968 zurück nach Berlin. In den 1970er Jahren zeigte sich Schumann als Mitorganisatorin und Kuratorin für die Ausstellung „Künstlerinnen international 1877- 1977“ verantwortlich. Bei dieser legendären und von Protesten begleiteten Ausstellung wurden erstmalig in Deutschland bedeutende Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts präsentiert, darunter Paula Modersohn-Becker, Frida Kahlo, Eva Hesse, Maria Lassnig, Mary Bauermeister, Ulrike Rosenbach und Diane Arbus. 1977 wurde sie mit einem Stipendium für die Villa Massimo ausgezeichnet. Ein Jahr später produzierte der Regisseur und Künstler Harun Farocki den Film „Ein Bild von Sarah Schumann für den WDR, der Sie filmisch beimEntstehungsprozess einer großen Bildcollage begleitet.

Internationale Studienreisen auf Einladung des Goethe-Instituts nach Indien und Kenia in den 1980er Jahren wurden in Gouachen und in übermalten Fotografien verarbeitet. Viele Aufenthalte und Recherchen in der DDR auf den Spuren von Theodor Fontane, Hermann von Pückler-Muskau und Peter Joseph Lenné führten zu elegischen Landschaftsbildern. Nicht zuletzt fuhr sie zu den Ruinen von Dresden. Ab 1992 folgten zahlreiche Reisen nach Moskau und Russland, die einen nachhaltigen Eindruck auf die Künstlerin hinterließen, abzulesen am Zyklus „Moskau, Erz + Körper“.

Neben ihrem künstlerischen OEuvre engagierte sich Schumann politisch in der feministischen Gruppe Brot + Rosen. Parallel realisierte sie mit Helke Sander Filme als Schauspielerin und Regisseurin. Regelmäßig entwarf sie zahlreiche Cover für die Zeitschriften „Courage“ und „Frauen im Film“ und veröffentlichte gelegentlich Essays, u.a. in „EMMA“. Darüber hinaus gestaltete Sarah Schumann von 1989 bis 2008 die Buchumschläge der Werkausgabe von Virginia Woolf im S. Fischer Verlag. Seit Mitte der 1970er Jahre lebte Sarah Schumann mit der Literaturwissenschaftlerin, Autorin und Essayistin Silvia Bovenschen (1946-2017) zusammen und wurde von ihrer Lebensgefährtin 2015 in dem Buch „Sarahs Gesetz“ literarisch verewigt. Sarah Schumann ist bekannt für Ihre frühen Collagen, Frauenbildnisse und Landschaftsbilder, welche eine Auseinandersetzung mit dem Schönen und dem Schrecken wiederspiegeln.

Das Forschungsprojekt des Frankfurter Städel Museums „Café Deutschland“ zählt Sarah Schumann zur ersten Kunstszene der BRD. Werke der Künstlerin befinden sich in deutschen und internationalen privaten und öffentlichen Sammlungen.

Ihr OEuvre wurde in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen in Berlin, Frankfurt am Main, Hamburg und Moskau in Galerien und Institutionen gezeigt. Zuletzt waren ihre Werke in den Gruppenausstellungen „Entfesselt! Malerinnen der Gegenwart“ in Schloss Achberg bei Ravensburg (2017) sowie in „Lesbisches Sehen“ im Schwulen Museum, Berlin (2018) zu sehen.

Seit 2018 verwaltet VAN HAM Art Estate ihr OEuvre und präsentierte im April 2019 in Köln eine retrospektive Einzelausstellung, begleitet von einem filmischen Gespräch mit Bettina Böttinger. Sarah Schumann hat ihren künstlerischen Werdegang konsequent bestritten und dadurch einen signifikanten Beitrag zur Kunst der Moderne geleistet.